
Alumni-Gesicht Oktober 2011
25 Oct 11
Alumni-Gesicht Oktober 2011
Herr D. Bat-Orgil
Das Brücke-Team stellt das Alumni-Gesicht Oktober vor. Herr D. Bat-Orgil (Orgio) hat in Hannover an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität im Fachbereich der Politschen Wissenschaften, Soziologie und Sozialpsychoilogie auf Magister studiert. Von Mai 2010 bis Mai 2011 arbeitete er als Projektmanager der Mongolisch-Deutschen Brücke (MDB). Seit letztem Juni 2011 ist er selbstständiger Unternehmer geworden .

MDB: Wann kam der erste Gedanke für eine Unternehmensgründung und wie lange hat es dann gedauert bis zur Realisierung? Welche Geschäftsfelder umfasst Ihr Unternehmen?
Ich vertrete immer der Meinunug von Antonio Gramsci, dass jeder Mensch an sich ein Philosoph sein kann. Daher habe ich erst versucht, über eine mögliche Geschäftsidee zu philosphieren. Denn es ist für mich wichtig, erst eine Kernphilosophie eines Geschäfts festzulegen. Dafür war meine akademische Ausbildung einen großen Nutzen, um einmal den gesamten Überblick über unsere Gesellschaft zu behalten und über die Zusammenhänge der gesellschaftlichen Transformationsprozesse nachzudenken. Was ich damit sagen will, ist, dass die Funktions- und Strukturzusammenhänge zwischen den sozio-politischen Prozessen und sozio-ökonomischen Status unseres Landes uns zeigen, warum man heutzutage geschäfts- und unternehmungstüchtig sein muss und wie wichtig es ist, dass man über bestimmtes analytisches Denken verfügt.
Also dachte ich, mein Berufsfeld zu wechseln, um als selbstständiger Unternehmer meine Ziele, Sehnsüchte und Wünsche mit meiner übergeordneten Lebensphilosophie zur freien Entfaltung zu bringen.
Es ist Mitten im Aufbauprozess und wird noch dauern bis die Idee bzw. Philosophie ihre endgültige Realität findet. Man setzt heutzutage ständig mit den neusten Informationen, die wichtig scheinen, auseinander und man ordnet die über sich zu verfügenden Ressourcen dafür entsprechend wieder neu ein.
Beruflich bewege ich mich in unterschiedlichsten Bereichen der selbstsändigen Unternehmung. Die Aufbereitung von mineralischen Rohstoffen wie Eisenerz oder Lebensmittelproduktion, Außenhandel und sogar Intertainment und Media-Marketing-Bereich sprechen für sich, wasfür unterschiedliche Unternehmungen ich zu machen versuche.
MDB: Wie schwierig ist als Deutschland Absolvent hier in der Mongolei eine eigene Existenz zu gründen oder freiberuflich tätig zu werden? Gab es Momente nach der Gründung ihrer Unternehmen, in denen existenzielle Unsicherheiten in Ihnen aufkamen?
Schwierig war für mich nur der Prozess der Wiedereingliederung in die alte und neue Gesellschaft, wenn man lange im Ausland gelebt hat. Schwierig war mir deshalb, wenn ich jedes Mal sehe, wie ungerecht das Reichtum der Gesellschaft verteilt ist. Dann stellte ich fest, dass die Mongolei kein armes Land sondern ein besonderes ungerechtes Land ist. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, wenn ich über Gerechtigkeit spreche. Ich will hier keine irgendeine politische Ideologie zur Debatte stellen. Ich versuche nur zu schildern, was für Schwierigkeiten ich bei der Re-Integration hatte. Also es handelt sich dabei um einen Re-Integrationsprozess, den man immer mit der Zeit und dem Dauer rechnet. Ich denke, die Überwindung ist mir inzwischen gut gelungen.
Ein wichtiger Faktor für meine Existenzgründung war, dass ich einen guten Freund aus der Schulzeit habe, der schon lange selbstständiger Unternehmer im Bergbaubereich ist. Er hat mich entscheidend beeinflußt. Ich sehe keinen besonderen Zusammenhang zwischen dem Deutschland Absolvent und den Schwierigkeiten bei der Unternehmensgründung in der Mongolei. Denn ist es für jeden frei zugänglich, irgendein Geschäft zu unternehmen.
Deutschland Absolvent zu sein kann einen Nutzen bei einer Geschäfts- und Existenzgründung im Zusammenhang mit den Deutschen Unternehmen bedeuten. So kam eine von mir gegründete Firma „WORLD TEA Co. Ltd“ zustande. Unter anderem aus Deutschland importieren wir Teeblätter als Rohstoff und Tinbox mit besonderem traditionellem Flair aus China. Das Verpackungsverfahren führen wir selbst aus.
MDB: Was denken Sie, in welchen Branchen sind für eine Selbstständigkeit sehr gute Chancen, in welchen eher weniger gute Chancen in der Mongolei?
Fast alle ausländischen Direktinvestitionen gehen direkt in den Bergbausektor. Fast alle erfolgreichen Unternehmer sind auch in großen nationalen Bergbauprojekten verwickelt. Neulich hat die Bundeskanzlerin Frau A. Merkel bei uns ihren ersten offiziellen Besuch erstattet. Dabei haben beide Regierungen einen Milliardenvertrag über die Zusammenarbeit insbesondere bei der Kohleaufbereitung unterzeichnet. Chancen sind daher klar in diesem boomenden Sektor zu sehen. Mit weniger guter Chancen rechne ich bei einem Sektor von dem man überhaupt keine Ahnung hat.
MDB: Welche Tipps würden Sie den Menschen geben, die sich gerade im Moment mit dem Gedanken beschäftigen, ein Unternehmen zu gründen?
Ich bin zurzeit kein erfolgreicher Unternehmer, der über eine langjährige Erfahrung in dieser Branche verfügt. Von mir können Sie leider in diesem Moment keine klugen Tipps erwarten. Ich kann nur sagen, wie ich bei der Gründung meines Unternehmens vorging: erst gründlich überlegen dann entscheiden und nach der Entscheidung nicht zögern.
MDB: Zum Schluss, was ist Ihre beste Erinnerung an Ihren Aufenthalt in Deutschland? Welche Eindrücke und Erfahrungen haben Sie aus Deutschland mitgenommen und welchen Einfluss hat sie auf Ihr heutiges Leben und Arbeit?
Deutschland ist mir eine ganz besondere Bedeutung. Meine beiden Kinder sind dort geboren, viele gute Freudne leben auch dort, mit denen ich ständig meine Kontakte pflege. Besonderes gute Erinnerung habe ich am Unisportzentrum. In der Woche zwei Mal ging ich dorthin, um zu trainieren. Fußball, Boxen, Volleyball, Joggen... ich vermisse die guten Trainingsbedingungen, sowie die technischen Ausstattungen von unserem Sportzentrum. Radfahren durch den Georgengarten macht ein entspanntes Gefühl, gemeinsames grillen mit den Kommilitonen am Welfengarten, ungestörtes Lesen in der Bibliothek, exakte Fahrzeit des öffentlichen Verkehrsmittels, wenige Hektik, einfach freundlichens Hallo-sagen, wissenschaftlich-intellektuelle Streitkultur an der Uni, Joggen am Leinufer, Spielen mit meinen Kindern am Bolzplatz, Abend-Kinobesuch im CINEMAX, der ziehende Duft des Glühweins am Weihnachtsmarkt... all diese sind in meiner Erinnerung mit tiefen Wurzeln bewahrt.
Die Eindrücke, die ich aus Deutschland mitnahm, sind zuallererst die Verständnisse von Deutschen Tugenden, die Arbeit, Fleiß, Disziplin, Pünktlichkeit und Eherlichkeit lauten. Die Deutsche Sprache ist mein größtes Mitbringsel aus Deutschland. Es macht mich Stolz, wenn ich daran denke, dass ich die soganennte Sprache der Denker und Dichter beherrsche. Schließlich ist die Deutsche Kultur, die mir tiefer Eindruck hinterließ. Von Gottfried Wilhelm Leibniz, Immanuel Kant, Friedrich Schiller, Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Thomas Mann bis hin zu Karl Marx, Max Weber haben die Deutschen achtbare Beiträge zur zeitgenössischen Wissenschaft und Kultur geleistet.
Selbsverständlich versuche ich in meinem alltäglichen Leben die Deutschen Tugenden umzusetzten. Als zuverlässiger Geschäftspartner muss man über die Charakterzüge, wie Punktlichkeit, Fließ, Disziplin und Ehrlichkeit verfügen.
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