
Alumni- Gesicht November
30 Nov 11
„Alumni-Gesicht November“
Wir stellen in diesem Monat Euch das „Alumni-Gesicht November“ vor. Ihr Name ist Shinebayar Renchinkhorol und vor ca. 2 Jahren ist sie in die Mongolei zurückgekehrt. Davor hat sie 6 Jahre in Deutschland gelebt und ihren BA-Abschluß im Studiengang „Asienwissenschaften” an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn erworben. Im Moment arbeitet sie als Sozialarbeiterin und Personalmanagerin an der „New Era“ International Laboratory School des Ministry of Education, Culture and Science.
MDB: Bitte erzählen Sie uns über die neue Einführung des Cambridge Schulsystems in der Mongolei. Welche Vorteile bietet das neue Schulsystem für die Schüler und Schülerinnen?

Die „New Era“ Schule ist ein staatliches Pilotprojekt zur Einführung von internationalen Bildungsstandards unter Zuhilfenahme des Cambridge Schulsystems an öffentlichen Sekundarschulen in der Mongolei. Hierbei handelt es sich jedoch um keine starre Adaption des Cambridge Schulsystems. Das Cambridge Schulsystem dient lediglich als Benchmark zum Vergleich des aktuellen Niveaus des mongolischen Schulsystems mit dem internationalen Bildungsstandard.
Vor diesem Hintegrund wird an der „New Era“ Schule sowohl nach mongolischem als auch nach Cambridge Lehrplan unterrichtet, um auf diese Weise die genauen Schwachstellen des mongolischen Lehrplanes identifizieren zu können. Die hier gewonnenen Erkenntnisse haben einen entscheidenden Einfluss auf den Reformierungsprozess des mongolischen Bildungssektors. Viele Lehrbücher sind so bereits entsprechend geändert worden oder dabei geändert zu werden.
Den wesentlichen Vorteil, den das neue Schulsystem mit sich bringt, ist die Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von mongolischen Sekundarschulabgängern. Durch den hohen Stellenwert, der dem Erwerb der englischen Sprache beigemessen wird, sowie die enge Orientierung des Schullehrplanes am internationalen Standard, soll sichergestellt werden, dass Schulabgänger/innen bereits nach der 11. bzw nach der 12. Schulklasse die Möglichkeit haben, direkt auf eine Universität im Ausland zu wechseln, anstatt voher ein zweijähriges Studium an einer mongolischen Universität absolvieren zu müssen.
Schließlich wird durch die stark schülerzentrierte Ausrichtung des Unterrichtes sowie die Anbindung der Schule an moderne Medien versucht, die Kompetenzen der Schüler/innen zum kritischen Denken und eigenständigen Lernen zu verbessern.
MDB: Sie arbeiten als Sozialarbeiterin und Personalmanagerin an der „New Era“ Schule. Welche Aufgaben haben Sie und wie trägt Ihr in Deutschland erworbenes Wissen zu der Umsetzung Ihrer Arbeiten bei?
Als Sozialarbeiterin bin ich zuständig für die Planung und Durchführung aller außerunterrichtlich stattfindenden Aktivitäten. Hierzu zählen neben der Betreuung von Schülern und Eltern auch die Organisation verschiedener Schulprojekte sowie die externe Kommunikation mit anderen Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Organisationen.
Eine Fülle an außerlehrplanmäßigen Aktivitäten bietet sich beispielsweise in unseren zahlreichen Schul-AGs, die sich u.a. mit den Bereichen „Umwelt“, „Fitness“, „Gesundheit“, „Kultur“ und auch „Journalismus“ beschäftigen. Neben der Organisation der diversen Schul-AGs gehört es auch zu meiner Aufgabe, sicherzustellen, dass alle soziale Schulaktionen sinnvoll mit dem Lehrplan abgestimmt sind.
Im Rahmen meiner Aufgaben als Personalmanagerin bin ich vor allem für Human-Resource Management und die Beratung aller Lehrer/innen in sozialen Angelegenheiten verantwortlich.
Bei all meinen zu verrichtenden Aufgaben kommen mir besonders die Erfahrungen, die ich während meines Aufenthaltes in Deutschland gewinnen konnte, zugute. Hierzu zählt insbesondere mein Engagement in der Studienfachschaft während der Studienzeit sowie die zahlreichen Eindrücke, die ich vom deutschen Sozialsystem erhalten habe.
MDB: Was sagen Sie zum Bildungssystem in der Mongolei im Vergleich zu Deutschland?
Im Vergleich zu Deutschland ist der Schulunterricht in der Mongolei noch immer stark lehrerzentriert ausgerichtet. Dies versucht die „New Era“ Schule nicht zuletzt durch die Stärkung der Selbstlernkompetenzen der Schüler/innen mittels neuer Lernmethoden und Medien zu ändern.
Auch die Fortbildungsmöglichkeit der Lehrer und Zusammenarbeit aller bildunsorientierten Organisationen und Schulen in der Mongolei ist eine grosse Schwach-stelle.
MDB: Was ist Ihre Vision, die Sie als Deutschland-Absolventin in der Mongolei verwirklichen wollen?
Mein größter Wunsch ist es, die heranwachsenden Jugendlichen in der Mongolei auf die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit angemäß vorzubereiten und dazu zu motivieren, sich sozial zu engagieren. Hierdurch möchte ich meinen Beitrag dazu leisten, die vielen sozialen Ungerechtigkeiten, die immer noch vorherrschend sind in der mongolischen Gesellschaft, nachhaltig bekämpfen zu können.
MDB: Zum Schluss, was vermissen Sie am meisten, wenn Sie an Ihre Studienzeit in Deutschland zurückdenken?
Am meisten vermisse ich natürlich meine Freunde und all die anderen tollen Bekanntschaften, die ich in Deutschland machen durfte. Vor allem bei besonderen Festlichkeiten wie Weihnachten und Karneval fehlt mir oft die festliche, warme Umgebung.
Da ich halt auch sehr gerne koche fehlt es mir hier oft an bestimmten Zutaten und Gewürze. Leider kann ich mich nicht auf mein Fahrrad steigen und um die Ecke zum Feinschmecker.
Aktualisiert ( Mittwoch, 30. November 2011 um 07:33 )
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